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Ich komme und gehe, zu jeder Jahreszeit, unter jedem Himmel, mit dem starken Wind, der Bora heißt, mit dem warmen Schirokko oder der sanften Morgenbrise. Ich berühre den Sand, benetze ihn und kehre dann ins Meer zurück, ohne Unterlass.

Auf meiner endlosen Reise betrachte ich den Lauf der Welt. Ich versinke in den Anblick der Morgendämmerung und Sonnenuntergänge, meine liebsten Momente. Ich lasse mich von den Sonnenstrahlen beleuchten, die mich mit Goldflitter überziehen. Ich lasse mich vom Vollmond, von seinem Silberlicht liebkosen.

Ich kenne viele Orte, denn meine Arbeit, wenn wir das mal so nennen wollen, kennt keine Grenzen, führt mich in alle Ecken dieses Zipfels des Mittelmeers namens Adria. Meine Kolleginnen und ich tauschen untereinander Nachrichten, Ratschläge und Meinungen aus.

Wenn sie mich über Bibione befragen, fällt es mir schwer, objektiv zu bleiben. Tja, was soll ich sagen, ich bin voreingenommen. Ich kenne diese Insel seit jeher, als sie noch ein Strand mit wenigen Fischern war, als es hier nur Dünen, Lagunen und ein paar Fischerhütten gab. Dieser wilde und natürliche Teil ist nie verschwunden, er lebt und gedeiht, aber man muss nach ihm suchen – hinter den Sonnenschirmen, den Häusern und Hotels, abseits der Einkaufsstraßen und Restaurants.

Bei meinen langen Plaudereien mit dem Meer ärgert es mich manchmal, wenn mir gesagt wird, dass man hier nicht viel machen kann. Oh nein, sage ich dann, man muss weiter denken als bis zum klassischen Strandurlaub unter dem Sonnenschirm. In Bibione gibt es viel mehr.

Am frühen Morgen im Licht der ersten Sonnenstrahlen sehe ich Leute joggen und spazieren gehen. Ihr Weg führt zum Leuchtturm, geht manchmal aber auch die ganze Strandpromenade bis zum Hafen Baseleghe entlang. Ich spüre, wie sie die gesunde Seeluft einatmen, die ich ihnen schenke, ich höre ihr langes Schweigen, wenn sie die schlichte Schönheit bewundern, die sie umgibt.

Tagsüber freue ich mich, die vielen Menschen zu sehen, die Sport aller Art treiben. Manche spielen Volleyball, andere machen Gymnastik, um sich fit zu halten. Ich sehe sie mit ihren Surfbrettern, andere schwimmen mit fröhlichen Gesichtern an mir vorbei.

Abends höre ich die Musik eines Strandkonzerts, ich lächle, wenn ich sehe, wie sie tanzen oder Verliebte sich an den Händen halten.

Nachts blicke ich auf zum Mond oder sehe die Sternschnuppen im August, während einsame Fischer mit unendlicher Geduld darauf warten, dass sich die Angelschnur bewegt, während Pärchen sich ihre Geheimnisse erzählen oder den nächsten Tag planen. Ein Bootsauflug auf der Lagune hinter dem Strand oder noch weiter weg in Richtung Caorle oder Venedig, vielleicht eine Radtour längs der unzähligen Straßen und Wege, die in die sanfte Landschaft führen, in eine Grenzwelt zwischen dem Salzwasser der Lagunen und dem Süßwasser der Flüsse.

Man kann so viel machen in Bibione! Wenn du mich fragst, kann ich dir viele Geheimnisse enthüllen. Du musst nur früh morgens an das Meeresufer kommen und mir barfuss schweigend zuhören. Eine Welle kann dir die Schönheit enthüllen, den Zugang zu dem Weg öffnen, der jeden Moment in ein kostbares Erlebnis verwandelt.