Ich komme gern hierher, um dem Murmeln der Wellen zu lauschen. Hört es sich nicht wie Gesang an? Hier lässt es sich gut ausruhen, eine frische Brise vom Meer bringt willkommene Erfrischung nach den vielen Stunden unter dem Sonnenschirm am Strand.
Das Strandleben ist herrlich, ein bisschen hierhin, ein bisschen dorthin, eine Kleinigkeit essen, die Urlauber beobachten, den vielen Sprachen lauschen, die zwischen Handtüchern und Liegestühlen zu hören sind, mit einem kleinen Hund an dem extra für ihn und seine Freunde eingerichteten Strand spielen oder mit den Kindern, die mir zulächeln, kaum dass ich auftauche.
Mein kleines Eckchen Frieden ist aber hier, ein alter Leuchtturm, von dem aus man auf den Fluss blickt, der hier in das Meer mündet, und die Namen der Städte raten kann, die bei Anbruch der Nacht den Horizont aufstrahlen lassen.
Die älteren Vögel haben mir erzählt, dass hier früher nur der Leuchtturmwärter war, niemand sonst hatte Zutritt. Jetzt dagegen sehe ich viele Familien zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen und sich hier ausruhen, bevor sie wieder nach Bibione zurückkehren oder im Pinienwäldchen verschwinden und Wegen folgen, die noch weiter weg führen.
Ich sehe auch viele, die nach Kunstwerken, Foto- oder Gemäldeausstellungen schauen, die dieses Haus am Meer gern beherbergt. Am Abend höre ich dann die fröhlichen Klänge eines Konzerts, das den Sommer beschwingt und mich daran erinnert, dass dies die schönste Jahreszeit zum Feiern ist.
Der Leuchtturm erzählt mir viele Geschichten. Ein Leuchtturm, der redet? Ich vergaß, dass die Menschen die Stimme der Natur oder alter Orte wie diese nicht hören können. Mit etwas Geduld und Übung könnten aber auch Sie hierherkommen und zuhören.
Ich rate dazu, früh am Morgen zu kommen, wenn die Sonne hinter den Bergen der fernen Länder aufgeht. Dann können Sie die Dünen und Wellen betrachten und, hier angekommen, den Leuchtturm begrüßen und ihn fragen, wie es ihm geht. Keine Sorge, die Frage muss nicht laut gestellt werden.
Anfangs wird er vielleicht nicht antworten. Dann machen Sie einfach einen kleinen Spaziergang durch das Pinienwäldchen dahinter. Dort sehen Sie vielleicht ein Reh scheu zwischen den alten Pinien auftauchen und wieder verschwinden.
Irgendwann wird sich der Leuchtturm nach und nach öffnen, so wie er sich für Besucher geöffnet hat, und anfangen, einfache Geschichten zu erzählen, denn auch das Leben am Meer ist einfach. Er wird Ihnen von Stürmen und vom Schiffbruch kleiner Fischkutter erzählen, von Baumstämmen, die von den Bergen herabgeschwemmt werden und von den Schwänen, die sich wie Segelschiffe von der Strömung tragen lassen. Er wird Ihnen von der Liebe erzählen, die manchmal direkt zu seinen Füßen ihren Anfang nimmt, und er kann Ihnen jeden einzelnen Stern benennen, da er sie schon seit Jahren beobachtet.
Ich höre diesen Geschichten oft zu und werde ihrer nie überdrüssig. Dann kommt vom Meer eine leichte Brise und ich fliege auf, um wieder mit den anderen vorwitzigen Spatzen zwischen den Sonnenschirmen hin- und herzuhüpfen.