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Ich bin eine Geschichte, die vom Meer erzählt

Ich bin eine Geschichte, die vom Meer erzählt, von Fischkuttern, die am frühen Morgen die Küste entlang fahren und einem Schwarm glitzernder Fische folgen, die gerade erwacht durch das klare Wasser schwimmen. Ich bin eine Geschichte, die am Strand beginnt, während eine leichte Brise die Hochsommerhitze vertreibt und dazu einlädt, alles loszulassen und sich zu entspannen.

Manchmal sagt man so „Das sind ja alles nur Geschichten“. Aber fragt mal eure Eltern, was sie machen würden, wenn sie keine Geschichten hätten, die sie ihren Kindern dutzendmal erzählen könnten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich hier in Bibione ein bisschen langweile. Ich komme hier an, in einem Koffer voller Spielzeug, zusammen mit anderen Geschichten wie mir. Ich werde aufgeschlagen und durchgeblättert, aber ich verbringe meine Zeit in einem Zimmer, auf einer Kommode.

Abends nimmt die Mama mich in die Hand und beginnt, mich im Lampenschein vorzulesen, während draußen ein sanfter Wind vom Meer her weht. Aber die Kinder schlafen schon. Kein neugieriger Blick fällt auf mich. Keine Stimme bittet darum, mich wieder und wieder zu hören. Ich werde zugeklappt und bleibe liegen – und habe nichts zu tun.

Die Kinder dagegen haben eine ganze Menge zu tun. Was? Das wirst du dich fragen. Am Strand mit Eimerchen und Schaufel zu spielen? Nicht nur, aber für sie und auch für ihre Eltern ist das bereits etwas ganz Besonderes. Ungehindert spielen und das Sonnenlicht, die frische Brise und das Meerwasser genießen zu dürfen. Energie und Licht zu tanken für die kalten Monate und sich fröhlich in einer gepflegten und geschützten Umgebung auszutoben.

Aber in Bibione gibt es so viel für Kinder zu machen, dass es mir schwer fallen würde, das alles auf meinen Seiten festzuhalten. Um das zu erzählen, bräuchte es unzählige Geschichten.

Mir erzählen sie die Kinder, wenn sie vor dem Einschlafen noch voller Begeisterung und Freude ihrem Papa erzählen, was sie alles gesehen und gemacht haben. Ich mag besonders die Geschichten, die nach Natur riechen und von den kleinen Ausflügen mit dem Fahrrad handeln, die auf gut ausgeschilderten Wegen weg vom Strand an Orte der Ruhe führen.

Meine Lieblingsgeschichte handelt von einem Boot, dem Horizont des Meeres, der sich immer weiter spannt, bis er andere Länder berührt, von einem Fluss, der von den nahen Bergen kommt, einer Lagune mit vielen Kanälen und alten Strohhäusern, von kleinen Fischerdörfern und diesem Gefühl des Staunens, das die Kinder erfüllt und ihre Augen zum Leuchten bringt.

Geschichten sind aus anderen Geschichten gemacht. Und wenn die Kinder am Ende der Ferien wieder nach Hause zurückkehren, werden sie mich wieder in die Hand nehmen, um ruhig einzuschlafen, während ein paar Sandkörnchen aus meinen Seiten rieseln.