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Ich treibe mit der Strömung, von den Bergen hinab, von den Alpen, die so entfernt scheinen und doch so nah sind in dieser kleinen Welt, wo sich alles nach wenigen Kilometern verändert. Ich gleite mit den Herbst- und Winterfluten, ich verhake mich in manchen Biegungen, um mich auszuruhen, aber mein Ziel ist das Meer.

Ich bin fast da, das spüre ich. Das Wasser verändert seine Konsistenz – wie auch die Luft. Beide füllen sich mit Salz, und die Bäume um mich herum ändern ihre Form, sie beugen sich dem Wind des Meeres, der jetzt nahen Küste.

Ich treffe auf ein paar Boote, die gemächlich den wilden Fluss hinabfahren, in dem ich mich treiben lasse, Fischer und Touristen, die sich wie ich von der sanften Trägheit mitnehmen lassen, die dieses Grenzgebiet zwischen Meer und Ebene beherrscht.

Und da ist das Salzwasser, eine völlig andere Welt, in der es leicht ist, oben zu schwimmen, sich mühelos tragen zu lassen. Etwas Neues berührt mich. Es ist nicht die frische Strömung des Flusses, sondern es sind Wellen – wie eine ständige Massage, die mich immer weiter schieben, mich aber auch näher zum Strand bringen.

Langsam, Welle auf Welle, gebe ich jeden Widerstand auf. Ich möchte mich auf den warmen und goldenen Sand legen, dort bleiben und mich von der Sonne wärmen lassen. Ich höre den fröhlichen Lärm der Kinder, das Lachen der Jugendlichen … und ich möchte gern dorthin, zwischen Muscheln und nackte Füße.

Ich strecke mich wohlig aus, während der Vollmond die Nacht erhellt und der Sand noch warm ist. Eine freundliche Welle hat mich bis hierher gebracht, zwischen Grashalme und unbekannte Pflanzen. Wer weiß, wie es sich dort lebt, wo das Wasser salzig ist und alles so ausgedörrt wie eine Wüste aussieht?

Aber das ist nur ein kurzer Eindruck, denn hier ist es voller Leben. Krabben und Einsiedlerkrebse sind überall in Bewegung, während die Füße von Möwen und kleinen unerschrockenen Spatzen ihre Spuren auf dem Sand hinterlassen. Dann gibt es auch noch Hunde und Kinder, die mit allem spielen, auch mit mir.

Wer weiß, vielleicht bin ich zur besten Zeit gekommen, denn die Sonne bescheint den Strand vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und die Nächte sind mild. Ich schäle mich immer weiter aus meiner harten Rinde und lasse mich von den Winden und Sommergewittern formen.

Mit der Zeit könnte ich ein Kunstwerk werden. Ich habe einige gesehen. Künstler, die das aufsammeln, was die Natur so großzügig anbietet, um den Strand von Bibione noch außergewöhnlicher zu machen, um uns an die Schönheit der einfachen Dinge zu erinnern. Der Stamm einer Tanne, mit dem Fluss Tagliamento aus den Bergen Karniens herabgeschwommen, ist an sich schon eine Zier, ein Stück Welt, das von einem großzügigen Strand aufgenommen wurde. Wer weiß, vielleicht nehme ich mit den ersten Frühlingsfluten meine Reise wieder auf, oder ich verschwinde hier und werde Teil dieses herrlich weichen Sands.