Kerzengerade am Strand zu stehen und die Konzentration trotz Wind oder dem fröhlichen Geschrei der Kinder aufrecht zu erhalten, wie ein Adler, der von der Meeresbrise in die Ferne getragen wird – das ist eine Herausforderung, die den Körper und den Geist stärkt.
Yoga und Meditation am Strand sind etwas ganz anderes als abgeschieden im eigenen Zimmer oder in einem Übungsraum. Dort gibt es nicht viel, was ablenken könnte, aber dort gibt es auch kein Meer.
Und heute wissen wir ja alle, wie viel Gutes uns die Wellen bringen – die saubere Luft, die auch an den heißesten Sommertagen weht, der immense, unendliche Horizont, der auch den so oft von der Arbeit am Bildschirm verengten Blick wieder weitet, und andere, fast unmerklich feine Wohltaten, wie der Duft der Tamarisken oder Pinien, der ruhige Klang der Brandung und viele andere kleine Elemente, die alle zusammen in einem Begriff Platz finden: Wohlgefühl.
Wir sind viel zu sehr an geschlossene Räume, die den Wind, der die Luft und den Geist reinigt, an Musik aus dem Verstärker oder an das Schrillen des Telefons gewöhnt. Hier in Bibione ist alles neu. Der goldene Sand, in dem meine Füße versinken, die Luft, die in sich die Stimmen der Natur, des Meeres oder eines Pinienwäldchens trägt. Der Strand ist eine riesige Turnhalle ohne Grenzen, in der Sport doppelt so gesund ist.
Zugegeben, als sie mich hierherbrachten, hatte ich so meine Zweifel. Hinter mir steht eine sehr alte Tradition. Meine Vorfahren kommen aus Asien, einem Kontinent aus Kontinenten, aus Klostern auf hohen Bergen, aus so langen Küstenstreifen, wie ganze Nationen messen, aber ich glaube, dass es nicht nötig ist, so weit wegzugehen, um Frieden zu finden, um mit sich selbst im Einklang zu sein.
Ein Strand in der Morgendämmerung oder beim Sonnenuntergang, wenn nur wenige Touristen unterwegs sind, wenn das Meer nur von einigen wenigen Booten befahren wird und ganz für mich da ist, während die Sonne aufgeht oder sich in leuchtende Farben kleidet, um hinter den nahen Bergen zu versinken, sind die ideale Umgebung, damit die Gedanken zur Ruhe kommen und der Körper sich entspannen kann.
Damit der Meereswind alles mit sich nimmt, was wir nicht mehr benötigen. Damit die Wellen jede Spur von Anspannung wegspülen, damit der Sand alles Schwere aufnimmt. Nein, man muss nicht weit weggehen, um zu verschwinden, um sich zu verlieren, um sich zu verändern und sich, vielleicht ein bisschen besser, wiederzufinden.
Ich weiß, dass ich nicht allein bin. Hier sind viele Menschen um mich, Frauen, Kinder, Jugendliche. Ich verströme meinen Blumenduft, auch wenn der Duft, der vom Hinterland kommt, bereits ausreichen würde. Räucherwerk wird hier in Bibione, beim Duft des Meeres und des Sommers, nicht benötigt.