Hoch lebe der Sommer!
Lies den zweiten Teil des Märchens von Bibi
“Wie schön! Komm, lass uns eine Sandburg bauen, zusammen mit dem Ball am Meeresufer spielen“. Und genau in diesem Moment, als Bibi den Ball fangen wollte, fiel er aus dem Bett und fand sich auf dem Fußboden wieder. “Auah!!!” rief er, öffnete seine Augen und blickte aus dem Fenster: es war tiefe Nacht und die Sterne, hoch am Himmel, spiegelten sich im Meer wider. Bibi wurde sich klar, daß er von den vielen Freunden, die er im Sommer am Strand von Bibione kennenlernte, geträumt hatte. Mädchen und Jungen aus aller Welt, mit denen er gespielt und viel gelacht hatte. Formen, Eimer, Schaufeln und Drachen waren die Protagonisten dieser Tage und Stunden im Zeichen der Magie, Fröhlichkeit und Heiterkeit.
Wie oft hatten sie in den Wellen des Meeres gebadet und getaucht.
Plötzlich erinnerte er sich auch an die Abende beim Zuckerwatte-Essen im Luna Park. Ebenso erinnerte er sich an den Bummelzug, der die Kinder durch den Ort führte. „Tuut, tuut! Aufgepasst, es kommt der magische Bummelzug!” Welch schöne Erinnerungen, wie viel Aufregung im Freilichtkino, wie viele Zeichentrickfilme im Schatten der Kiefern, wie viel Eis und Pop-Corn zusammen mit den Freunden. Lunetta, der große weisse Mond, der in der Nacht leuchtet, bemerkte, als er in die Sandburg von Bibi schaute, wie diesem eine Träne über das Gesicht lief.
“Hallo Bibi, warum bist du so traurig?” fragte Lunetta. Bibi wischte sich die Träne ab und antwortete: “Ich bin allein geblieben, alle meine Freunde sind abgereist und ich sehe sie nicht vor dem nächsten Sommer wieder”. Lunetta erklärte nun dem kleinen, roten Krebs, daß alle Kinder nach Hause zurückgekehrt waren, damit sie in den Kindergarten oder zu Schule gehen konnten, um Mathematik, Geographie und Geschichte zu lernen.
“Auch du Bibi solltest zu Schule gehen und all die Sprachen lernen, die die Kinder sprechen, die im Sommer nach Bibione kommen, damit du im nächsten Sommer viele neue Freunde kennenlernen und mit ihnen spielen kannst“.
Bibi dachte, daß Lunetta recht hatte. Er schaltete das Licht aus, legte sich in sein Bett und dachte an all das, was er am nächsten Morgen machen wollte.
Der Wecker klingelte morgens pünktlich wie immer. Nachdem er seinen Schlafanzug zusammengelegt, mit Keksen und Milch gefrühstückt und seine Zähne geputzt hatte, ging Bibi ins Zentrum, um neue Hefte, Buntstifte, eine Schultasche und einen weissen Schulkittel mit blauer Schleife zu kaufen. Dann fuhr er mit dem Bus bis zur Schule, wo glücklicherweise noch ein freier Platz auf ihn wartete. Und so machte Bibi jeden Nachmittag, bevor er am Strand spielte, seine Hausaufgaben. Er lernte viele, neue Worte, die er vor dem Einschlafen Lunetta aufzählte.
Genau in einer zu kalten Nacht im November, sagte der große weisse Mond Bibi:
”Da du jetzt 6 verschiedene Sprachen sprechen kannst, solltest du auf alle Postkarten, die dir deine Freunde geschickt haben, antworten”.
“Richitg, eine tolle Idee!” rief Bibi freudig.
“Ich kann ihnen schreiben, daß ich sie sehr vermisse, daß die Tage ohne sie traurig sind und ich den Sommer kaum abwarten kann, damit wir wieder am Strand zusammen spielen können.”.
So begann Bibi Postkarten zu schreiben und morgens, bevor er in den Bus stieg, ging er zur Post, um sie einzustecken. Sofort nach dem Klingelzeichen lief Bibi nach Hause, um zu sehen, ob ihm ein Kind geantwortet hatte. Atemlos öffnete er den Briefkasten (eine alte Thunfischdose) und hoffte jeden Tag auf einen neuen Brief.
Zum Glück begannen die Kinder an Bibi zu schreiben. Sie erzählten, wie sie ihre Tage verbringen und sie sich darauf freuen, ihn wiederzusehen.
Ein Brief nach dem anderen, so verliefen die Wintermonate für Bibi weniger kalt und einsam. Nach dem Abendessen zündete er eine alte Kerze an, setzte sich auf das Sofa dicht am Fenster, um Lunetta und allen Sternen am Himmel die Geschichten von seinen Freunden, mit denen er während des Sommers gespielt hatte, vorzulesen.