Valgrande und Vallesina in Bibione sind eingedämmte Fischfarmen von großem ökologischen Wert, die im Jahr 1993 als “landschaftlich geschützte Gebiete von regionalem Interesse” ermittelt wurden. Gemeinsam haben sie eine enorme Ausdehnung von 475 Hektar, wovon 320 aus Wasserflächen bestehen, die Stauseen, Kanäle und Teiche, sowie Schilfgebiete, Wälder und Ackerlandschaften einschließen.
Das Valgrande allein ist ein Privatgebiet von 360 Hektar mit einer großen Wasserfläche, die sich durch ihren geringen Salzgehalt auszeichnet und in der die extensive Zucht einiger Fischarten (Meeräsche, Seebarsch, Aal, Goldbrasse) betrieben wird.
Das Valgrande, das bis vor 300 Jahren noch Sumpfgebiet war, ist das Ergebnis der Harmonie zwischen natürlicher Umgebung und menschlichem Eingriff. Das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur ist heute in der Lage Touristen und Besucher, die sich beim Betreten des Tals in einem einzigartigen und unnachahmbaren Ambiente wiederfinden, zu überraschen.
ZUSAMMENFASSUNG DER GESCHICHTE DES VALGRANDE.
Geschrieben von Arabella Ferri de Lazara.
Das Valgrande ist ein antikes Tiefland, das sich während des Baus des Tagliamento-Deltas gebildet hat. Es handelt sich um ein weitläufiges Gebiet, das, im Vergleich zum Lago di Valle (zentraler Teil des Tals), niedrigere Seehöhen aufweist, die im Süden (Waldgebiet) leicht ansteigen, sich im Norden (entlang des Kanals Lugugnana), wo im zwanzigsten Jahrhundert Abflüsse notwendig geworden waren, jedoch einschränken. Seine Geschichte ist besonders deshalb interessant, weil es, trotz der Nähe zur Lagune von Caorle, nicht dieselben Hintergründe hat. Tatsächlich wurde die Fischfarm Ende des 17. Jahrhunderts durch eine Überschwemmung der Niederungen gegründet, wie es die zahlreichen Dokumente, die das Gebiet vor und nach dem Ereignis zeigen, bezeugen.
In der Tat wurde es im 17. Jahrhundert, nach einem Dekret des Senats, der die Zerstörung der in der venezianischen Lagune angesiedelten Fischfarmen festlegte, da diese die Strömung des Wassers verhinderten und Sumpfgebiete bildeten, notwendig andere Gebiete im Veneto zu finden, um die Fischzucht fortzuführen. Zu diesem Zeitpunkt beschloss der venezianische Patrizier Antonio da Molin das Gebiet um Bibione zu überfluten, um es zu einem für die Fischerei geeigneten Gebiet zu machen.
Es ist klar, dass ein solcher Eingriff noch heute starke Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht des Gebiets hat, das viel mehr vom Geosystem, das durch den Eingriff des Menschen entstanden ist, als vom Erhalt einer natürlichen Dynamik, abhängig ist. Tatsächlich ermöglicht die Organisation des Tals, die die natürliche Dynamik schrittweise durch ihre “eigene” ersetzte und dazu tendierte das in einer bestimmten Fase der Geschichte geschaffene Geosystem zu erhalten, zahlreichen typischen Pflanzen- und Tierarten des feuchten Ökosystems zu überleben.
Die verschiedenen, aufeinanderfolgenden Besitzer, haben mit traditionellen Mitteln, die die Physionomie des Tals fast komplett intakt gehalten haben, eingegriffen und somit heute eines der interessantesten Kultur- und Naturerbe Europas erschaffen. In der Tat ist es selten auf ein solch komplexes System verschiedener Elemente zu treffen: eine in funktionale kleine Fischerseen gegliederte Wasserfläche, ein Wald mit hoher Pflanzen- und Tiervielfalt, fossile Dünen, die die wichtigsten Zeugnisse des Römischen Reiches erschließen, eine antike Fischerhütte, die die historische Beherbergung der Vallesani darstellt.
Die Erbmasse garantierte die Kultur und Sensibilität der aufeinanderfolgenden
Besitzer (von der Familie Molin, Nani Mocenigo, Pisani, de Lazara, Sordi bis hin zu Ferri), so dass das Geosystem auf integrierte Weise, sogar als das Tal im Laufe des letzten Jahrhunderts in zwei Besitztümer (Valgrande und Vallesina) eingeteilt wurde, immer mehr an Wert gewonnen hat.
Heute ist das Tal für Besucher geöffnet, um seine Bekanntheit zu fördern und die Möglichkeit zu bieten die Jahrhunderte lange Geschichte von Bibione zurückzuverfolgen.
AUSSCHNITTE DER ANTIKEN UND ARCHÄOLOGISCHEN GESCHICHTE.
DIE AUSGRABUNG DER MARITIMEN VILLA (PARS URBANA) DES "MUTTERON DEI FRATI" Geschrieben von Vincenzo Gobbo.
Im August der Jahre 1991 und 1994 wurden durch die Archäologische Oberaufsicht des Venetos probeweise zwei Ausgrabungen am Fuße des sandigen Vorsprungs, der allgemein unter dem Namen “Mutteron dei Frati” bekannt ist und sich im Inneren des Landschaftsunternehmens “Val Grande” befindet, vorgenommen.
Die von Dr. Pierangela Croce Da Villa geleitete und vom Autor dieses Auszugs gelenkte Ausgrabung zielte darauf ab, die archäologischen Vorkommnisse im Gebiet zwischen den Mündungen des Canal dei Lovi und des Tagliamento zu analysieren und schließlich mögliche typologische Merkmale der Küstensiedlungsplätze der klassischen Periode zu ermitteln.
Nach einigen Vorerkundungen der Oberfläche, die die Existenz von Strukturen am südlichen Teil des Hügels bestätigten, wurde beschlossen mit einer Probeausgrabung die Korrektheit der, durch zahlreiche frühere im betreffenden Gebiet vorgenommenen Ausgrabungen, erhaltenen Informationen zu überprüfen. Das von der Probe betroffene Gebiet ist eine weitläufige, viereckige Kahlfläche, frei von langstieliger Vegetation, die mit dem im Jahr 1932 durch Prof. Aulo Gelio Cassi ausgegrabenen Gebiet übereinstimmt.
Die durch die Hilfsbereitschaft des Besitzers ermöglichte Ausgrabung, hat Teil eines großen, aus der Zeit des Römischen Reiches stammenden Herrenhauses zum Vorschein gebracht, das aus sieben Zimmern besteht, von denen 3 mit Mosaikböden ausgestattet sind.
Auf Grund von zahlreichen Ausgrabungen während des letzten Jahrhunderts, die die Abtragung eines Großteils des archäologischen Materials erlaubt haben, konnten nur wenige Fundstücke wiedergefunden werden, die zumeist der Kategorie der runden Netzgewichte mit zentralem Loch angehören. Es wurden auch drei Exemplare des Ziegelstempels "Ti PANSIANA" und ein Fragment eines Ziegels mit dem Stempel "C. TITI HERMEROTIS" gefunden.
Besonders wichtig ist die Münze des Kaisers Honorius (395-423 n. Chr.), die in der Mischung aus Mörtel aufgefunden wurde, die die Bausteine einer Trennwand verband; diese zeigt auf der Vorderseite das Gesicht des mit einem Perlendiadem gekrönten Kaisers und auf der Rückseite das gängige Motiv der Göttin Victoria, die einen Häftling fortschleppt. Diese kleine Münze erlaubt es, den Zeitpunkt des Baus der Mauer und parallel dazu die Errichtung des ganzen westlichen Komplexes, präzise festzulegen.
FAZIT
Die Aufnahme des Gebäudes in eine der typologischen Kategorien, in die sich der Privatbau des Zeitraums unterteilt, ist in diesem Fall sehr problematisch. Der kleine, freigelegte Teil des Gebäudes bietet eine zu beschränkte und flüchtige
Planimetrie, um eine Struktur typologisch einzugliedern, die, gerade weil sie für den Privatgebrauch vorgesehen war, mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Besitzer, als auf Konstanten, die die Kontinuität einer architektonischen Tradition festlegen, ausgerichtet sind. Der Vergleich mit anderen, ähnlichen Gebäuden ist daher sehr schwierig, auch weil es in unserem Gebiet keine zuverlässigen Vergleichspunkte gibt. Das vorausgesetzt, können wir beobachten, wie für den Bau der Strukturen Steinmaterialien verwendet wurden, die, so scheint es, für den Bau der rustikalen Villen des Gebiets nicht genutzt wurden; an Stelle des Steins wird im landschaftlichen Bau nämlich der Ziegel als Hauptbaumaterial verwendet. Es kann somit angenommen werden, dass der Stein als Baumaterial, der leicht über Wasserstraßen transportiert werden konnte, günstiger als der Ziegel war, der dennoch in den inneren Bereichen eingesetzt wurde. Zu diesem typologischen Merkmal müssen wir auch die wirtschaftliche Bedeutung dieses Gebäudes zählen. Es ist fast sicher, dass neben den Wohngegenden auch Bereiche zur Lagerung, der über den Seeweg ankommenden Waren, die daraufhin, dank der nahegelegenen Verläufe des Tagliamento, in Umlauf gebracht wurden, liegen mussten. Vielleicht ist es gerade auf Grund dieser kommerziellen Funktion, dass die Villa in der Düne "Mutteron dei Frati" weiterlebt und sich zu Beginn des 5. Jahrhunderts n. Chr. in einem schwerwiegenden Krisenmoment für das Römische Reich, sogar
weiterentwickelt. Neben der Gewerbetätigkeit in der Villa befanden sich wohl auch einige typische Aktivitäten der Küstengebiete, wie Fischerei und eventuell auch Muschelzucht. Diese Tätigkeiten mussten ihren Platz in der pars rustica finden, die sich, sofern die Wohnstruktur dem gängigen Plan der im Gebiet ausgegrabenen Herrenhäuser entspricht, etwas südlich von den bisher freigelegten Strukturen, befindet.
ZU FUSS; MIT DEM PFERD ODER DEM FAHRRAD. DREI MÖGLICHKEITEN; UM DAS VALGRANDE IN BIBIONE ZU ERKUNDEN.
Erst kürzlich, im Sommer 2008, wurde der Weg für Besucher eröffnet und kann in Begleitung eines italienisch- und englischsprachigen Experten zu Fuß, mit dem Pferd oder dem Fahrrad erkundet werden.
Die Route schließt nur einen Teil des riesigen Anwesens ein und kann in drei Teile aufgeteilt werden.
Erster Teil:
- nach dem Eingang befindet man sich direkt im Inneren des Steineichenwaldes, der sich durch Unterholzvegetationen, absoluter Stille und einer auch im Hochsommer gegebenen Kühle auszeichnet;
Zweiter Teil:
- darauffolgend führt der Weg durch einen schmalen Pfad, der entlang eines Großteils der Lagune führt. Diese Strecke zeichnet sich durch Flächen unter dem freien Himmel aus, an denen nestbauende und überwinternde Vogelarten während des Fluges bewundert werden können.
Dritter Teil:
- als letztes erreicht man die fossile Düne, ein sandigeres Gebiet, das sich durch den Kiefernwald (besonders durch die österreichische Schwarzkiefer) und einer Vielzahl an verschiedensten Blumenarten auszeichnet. Hier finden sich die ältesten Spuren von Bibione: die Überreste der maritimen Römervilla mit ihren Mosaiken und der nebenan gelegenen, sogenannten Motteron dei Frati. Hier können die aufmerksamsten Besucher viele Spuren von Tieren finden, die harmonisch und im Einklang mit der Natur leben, aber nur sehr wenig an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt sind: Wildpferde, Hirsche und Wildschweine.
Guido, der Fremdenführer des Valgrande erzählt: “Fast alle Besucher erstaunen bei der ersten Besichtigung des Tals, das in unmittelbarer Nähe eines so wichtigen Badeortes wie Bibione liegt. Sobald man die Grenzen überschreitet, taucht man in ein wunderschönes Naturgebiet ein, einem Ort, der seinen ganz eigenen Rhythmus hat, der durch Sonnenstunden unterteilt ist und sich durch seine besondere Stille auszeichnet. Schade ist jedoch, dass man nicht immer die hier lebenden Tiere sehen kann, die zum Teil aus Misstrauen, zum Teil auf Grund der hohen Temperaturen im Sommer, dazu neigen im Grünen versteckt zu bleiben. Für die Zukunft sind Wanderwege zur Vogelbeobachtung mit Aussichtstürmen und ein Mountainbike-Weg geplant.”
Besonderheiten der Flora und Fauna:
Aus ambientalistischer Sicht ist die einheimische Steineiche besonders wichtig. Diese bedeckt eine Fläche der antiken Dünen, die bis zur Mutteron dei frati reicht, die mit 11 Metern Seehöhe der höchste Punkt des gesamten Küstenabschnitts der Oberen Adria ist. Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der Blumen von hohem botanischen Wert und die große Anzahl seltener Tierarten, wie beispielsweise die Hermann-Schildkröte. Die Steineichen des Valgrande, einige derer ein geschätztes Alter von 150 Jahren haben, bilden den nördlichsten Steineichenwald Italiens.
Für botanische Ausflüge eignet sich besonders der Zeitraum zwischen dem Frühlingsende und dem Sommerbeginn, für faunistische Exkursionen hingegen bieten sich sowohl der Frühlingsanfang, sowie der Spätsommer und der Herbst an.
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Das Valgrande besuchen
Von Juni bis September ist es freitags möglich, das Valgrande nach vorheriger Anmeldung mit den von Anemos organisierten Ausflügen zu Fuß und mit dem Fahrrad zu erkunden. Anmeldungen werden morgens an den Info-Points der Strandkassen 1, 7 und 9 entgegengenommen.
Für diejenigen, die ein besonders naturnahes Erlebnis machen möchten, bietet die Reitschule Barbuio (+39 0431 43500) Ausritte in Begleitung eines qualifizierten Reitlehrers an. Bei Interesse an einer Kutschenfahrt bitte Samuele Boaretti unter der Nummer +39 348 7759203 anrufen.